Zum Gedenken an Hans Rieber (1934-2025)
Hans P. Rieber, Professor für Paläozoologie an der Universität Zürich (1976 – 2001) und ETH Zürich (1976 – 1999), geboren am 2. April 1934, ist am 4. November 2025 in Esslingen verstorben.

Nach seinem Studium der Geologie in Tübingen und Graz promovierte Hans Rieber aus Balingen / Baden-Württemberg bei Otto Schindewolf in Tübingen mit einer Arbeit über Ammoniten und Stratigraphie des Mitteljura. Juraammoniten liessen ihn danach zeitlebens nicht mehr los, doch nach dem Umzug nach Zürich gewannen die Fossilien aus der Trias für ihn rasch an Bedeutung.
Als Assistent und später Konservator am Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich begann Hans Rieber 1961 eine genau vierzig Jahre währende ausserordentlich lange Karriere an den Zürcher Hochschulen. Der Schwerpunkt der Paläontologie an der Universität in Zürich lag seit 1924 auf der Bearbeitung von Wirbeltieren aus den bekannten Mitteltrias-Fundstellen am Monte San Giorgio, heute UNESCO-Weltnaturerbe in der Südschweiz. Dort nahm Hans Rieber an den Grabungen unter Leitung von Emil Kuhn-Schnyder teil und widmete sich den bis dahin kaum beachteten wirbellosen Fossilien und besonders den Ammonoideen und Daonellen, einer dünnschaligen stratigraphisch wichtigen fossilen Muschelgattung. Durch systematisches Aufsammeln und nach Vergleichen in Fundstellen benachbarter Gebiete in Italien erkannte er einen bisher nicht dokumentierten Abschnitt der Triaszeit, konnte diesen richtig einstufen und so ein genaues Alter für die fossilreiche Schichtfolge des Monte San Giorgio ableiten. Gegen Ende seiner über 40-jährigen Forschungstätigkeit, waren diese Erkenntnisse und Folgestudien schliesslich entscheidend für die Festlegung einer Abschnittsgrenze in der internationalen geologischen Zeitskala: der «Global Stratotype Section and Point» (GSSP, auch «golden spike» genannt) für die Basis der Ladinischen Stufe.
Nach seiner Habilitierung an der Universität Zürich 1970 folgte Hans Rieber 1976 Emil Kuhn-Schnyder als Professor für Paläozoologie. Den von der Universität und der ETH geteilten Lehrstuhl besetzte er bis zu seiner Emeritierung, 2001 an der Universität und zwei Jahre früher an der ETH Zürich. In dieser Zeit leitete er Forschungsprojekte und betreute diverse Master- und Doktorarbeiten. Als Direktor des Paläontologischen Instituts und Museums der Universität Zürich war er auch für die Modernisierung und Erweiterung der Institutsräumlichkeiten und die Neueinrichtung des Paläontologischen Museums im Jahre 1991 verantwortlich.
Für Generationen von Zürcher Studierenden war Hans Rieber als Paläontologe prägend. Mit seiner bisweilen etwas trockenen Art und einer guten Portion Humor war er bekannt für seine Vorlesungen, Übungen und Praktika, sowie die ihm besonders wichtigen und bei Studierenden beliebten Exkursionen zu Fossillagerstätten im In- und Ausland.
Dank seiner ausserordentlichen Formenkenntnis und seiner bescheidenen, aber wissenschaftlich unnachgiebigen und ausserordentlich präzisen Art war Hans Rieber ein weltweit geschätzter und beliebter Experte wirbelloser Fossilien und Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Kommissionen. Er engagierte sich aber auch im Vorstand der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft und der Geologischen Gesellschaft in Zürich.
Hans Rieber war aber auch ausserhalb der akademischen Welt ein zugänglicher und beliebter Ansprechpartner. Amateursammler und an Paläontologie ernsthaft Interessierte genossen seine unkomplizierte Art, schätzten seinen Rat und teilten mit Hans Rieber sozusagen als Gegenleistung ihre Erkenntnisse zu neuen Fossilfundstellen. Wer das Glück hatte, am Institut oder im Feld mit Hans Rieber zusammen zu sein wird ihn zweifellos in bester Erinnerung behalten.
Geschrieben von Peter Brack, Heinz Furrer, Iwan Stössel

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Dr. Heinz Furrer
Katzenrütistrasse 78
8153 RümlangDr. Peter Brack
ETH Zürich
Institut für Geochemie und Petrologie (IGP)
Clausiusstrasse 25
8092 ZürichIwan Stössel
ETH Zürich
Departement Erd- und Planetenwissenschaften (D-EAPS)
NO D 51.1
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